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MGKK Musikgymnasium
Käthe Kollwitz

VR-Brillen im Unterricht: Kenia hautnah erleben

erstellt von Fanny Tahn und Steffen Reblin am 17.01.2019

VR-Brillen (Virtual Reality-Brillen) sind bei PC-Spielern schon lange bekannt und erfreuen sich dort größter Beliebtheit. Der Einsatz eines solchen Mediums im Unterricht ist hingegen in weiten Teilen Deutschlands eher (noch) ein Novum.

Unter der Leitung von Steffen Reblin erhielten die Oberstufenschüler der 11. Klasse des MGKK jedoch die großartige Möglichkeit, sich im Geographiekurs in 360-Grad-Perspektive durch den afrikanischen Staat Kenia, genauer gesagt den sozialarmen Bezirk Makueni, zu bewegen. Nach dem Aufsetzen der VR-Brillen sahen die Schülerinnen und Schüler trockene, rotbraune Böden, dazu ein einfaches Schulgebäude aus Stein und Wellblech, einen Klassenraum, ausgestattet mit einer Tafel und Holzbänken für etwa 50 Schüler. Durch ein Fenster ohne Glas erblicken sie kenianische Schüler, wie sie während der Pause auf einem Schotterfeld Fußball spielen – mit der Brille fühlt es sich für die Schülerinnen und Schüler des MGKK so an, als könnten sie sofort mitspielen. Geht man eine Tür weiter, wird man vom kenianischen Schulleiter angesprochen. Dieses Szenario führte bei dem einen oder anderen VR-Brillen-Probanden zu einem schreckhaften Zusammenzucken. Nach Absetzen der Brille befinden sich die Oberstufenschüler dann sofort wieder in der wirklichen Realität - trotz knapp 6000 km Luftlinie fühlten sie sich Kenia für einen kurzen Zeitraum ganz nah – ein großartiges und dennoch befremdliches Gefühl.

Entwickelt wurde dieses Projekt von Familie Stein. Dr. Christoph Stein und seine Frau Almut engagieren sich seit mehr als 40 Jahren in Kenia beim Bau von Wassertanks; Dr. Christian Stein, ihr Sohn, forscht und arbeitet als Informatiker an der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich VR. „Bei unserer Keniareise im Juli 2018 haben wir zahlreiche 360-Grad-Aufnahmen getätigt, um in den vergangenen sechs Monaten alle Sequenzen auszuwerten, zu schneiden und für den Unterricht aufzubereiten“, berichtet Christian Stein. Dabei dienen die VR-Brillen als ein Medium für das Unterrichtsprojekt, bei dem die Schülerinnen und Schüler im Geographieunterricht am Raumbeispiel Kenia herausfinden sollen, welche Wasserspeicherungsmethode sich am besten für die gezeigte/besuchte Schule und den Raum eignet. Denn vor allem die kenianischen Mädchen dürfen nicht am Schulleben teilnehmen, wenn sie tagtäglich nicht eine bestimmte Menge an Frischwasser mit zur Schule bringen. Mittels und dank der VR-Brillen konnten die Elftklässler bei den Interviews mit Schülern, Politikern und Entwicklungshelfern hinsichtlich der Wasserproblematik und möglicher Lösungsansätze hautnah dabei sein. „Da bieten VR-Brillen ungeahnte Möglichkeiten, um einen Ort im Geographieunterricht so detailgetreu zu erleben und zu verstehen“, betont Steffen Reblin.

Das abschließende Feedback der Gymnasiasten fällt durchweg positiv aus. Der Einsatz der Brillen sei unheimlich spannend und im Gegensatz zu Bildern und Filmen könne man sich hier, im wahrsten Sinne des Wortes, ein wirkliches Bild der thematisierten Region machen. Lösungsansätze seien so besser und einfacher zu erarbeiten, so die Oberstufenschüler.

Die Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrer hoffen sehr, dass die Forschung und Entwicklung für den Einsatz von VR-Brillen im Unterricht schnell vorangeht, um die im Geographieunterricht und ggf. auch im Unterricht anderer Fächer thematisierte Realität noch öfter zu einer selbst erlebten Realität machen zu können - um Unterricht noch öfter hautnah erlebbar zu machen.